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Stadtgemeinde Gmunden
Made from 40 light frames with 10 dark frames by Starry Landscape Stacker 1.8.0. Algorithm: Min Horizon Noise

Steht Gmunden das Ende der Nacht bevor? – Über die dunkle Seite des Lichts am Traunsee

Was ist Lichtverschmutzung und warum ist sie ein Problem? Warum schadet uns zu viel Licht in der Nacht? Und was hat eine Straßenlaterne mit einem Staubsauger zu tun?

Wollten Sie nicht immer schon mal nach den Sternen greifen, staunend in der endlosen Weite der Milchstraße versinken und eins werden mit den funkelnden Sternen am Himmelszelt?

Naturbelassene Nachthimmel sind europaweit eine Seltenheit geworden. In größeren Städten ist es so hell, dass eine Neumond- von einer Vollmondnacht nicht mehr unterscheidbar ist. Die dort entstehenden Lichtglocken sind weithin sichtbar und tragen zur Aufhellung auch entfernter, naturbelassener Gebiete bei. Daher ist es höchste Zeit, für ein „Besseres Licht“ zu sorgen. Licht, das uns hilft, besser zu sehen ohne zu blenden, die Gesundheit zu bewahren, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, die Umwelt nicht unnötig aufzuhellen, die Tierwelt nicht zu stören und große Mengen Energie zu sparen und damit auch das Klima zu schützen.

Der natürliche Wechsel von hell/Tag und dunkel/Nacht ist der grundlegendste Rhythmus jeglichen Lebens und ein wichtiges Element funktionierender Ökosysteme. Unterbrechungen bedeuten immer eine Störung. Licht bei Nacht sollte daher so belastungsarm und emissionsfrei wie möglich eingesetzt werden, denn zu viel künstliches Licht kann zu massiven Störungen im Tag-Nacht-Haushalt führen. Dieser findet sich in fast allen Körperfunktionen und wird durch das Hormon Melatonin gesteuert, das nur bei Dunkelheit gebildet wird. Ausreichend Melatonin ist wichtig für einen gesunden Schlaf und ein starkes Immunsystem. Wird die Melatoninproduktion in der Nacht durch den Einfluss von künstlichem Licht gestört, können sich daraus gesundheitliche Probleme wie Erschöpfung oder Stoffwechselstörungen entwickeln.

Gerade die Beleuchtung von Randgebieten in Wohnsiedlungen, Industriegebieten, Freizeitanlagen, Skipisten und Rodelbahnen verdrängt die nachtaktiven Tiere immer weiter in die immer kleiner werdenden Dunkelgebiete. Ein eingeschränkter Aktionsradius zum Leben, zur sozialen Interaktion und Futtersuche führt zu gestörten Ruhephasen und sich verändernden Räuber-Beute-Beziehungen. Dadurch droht das Abwandern oder Aussterben von Arten.

Durch zu helle Beleuchtung in der Nacht verschwinden die Sterne und die Insekten orientieren sich fälschlicherweise an den künstlichen Lichtquellen. Sie fliegen zwanghaft die hellen Lichtkörper an, bis sie vor Erschöpfung verenden oder verbrennen. Das wiederum führt zu einer Reduzierung des Nahrungsangebotes für andere Tiere und auch zu geringerer Blütenbestäubung. Damit gehen weitreichende Folgen für die Pflanzenwelt, die Tiere und schlussendlich auch den Menschen einher.

Zugvögel orientieren sich in der Dämmerung und in der Nacht am Mond und den Sternen. Irritiert durch die vielen künstlichen Lichtpunkte unserer Siedlungen versuchen sie, sich an diesen zu orientieren. Abgelenkt durch deren Lichtkegel können die Vögel bis zur Erschöpfung kreisen oder mit beleuchteten Gebäuden bzw. mit anderen Vögeln im Lichtkegel kollidieren und sterben.

Es gibt wahrlich viel zu tun. Mit dem Beherzigen der 4 Regeln für „Besseres Licht“ helfen Sie uns, Ihnen und der Nachtnatur.
– Licht nur von oben nach unten
– Licht nur dort , wo ich es wirklich brauche
– Licht nur dann, wenn ich es wirklich brauche
– Künstliches Licht nur im weißgelben Farbspektrum unter 3000 Kelvin

Dazu referieren:
Dr. Stefan Wallner, Astrophysiker mit Forschungsschwerpunkt „Lichtverschmutzung“, wissenschaftlicher Begleiter von Sternenpark-Projekten, Sprecher von DarkSky Austria
Dr. Simone Jungwirth, Soziologin, Nachthimmelsfotografin und Buchautorin, Bundessprecherin der Umweltschutzinitiative „Paten der Nacht Österreich“
DI Clemens Schnaitl, Geschäftsführer Naturpark Attersee-Traunsee, Koordinator von Österreichs 1. Sternenpark Attersee-Traunsee

Kommunale Beleuchtung: Best-Practice-Beispiele und Tipps für den effizienten, nachhaltigen Einsatz von Leuchtmitteln!
Mensch & Umwelt: Die natürlich dunkle Nacht zurückholen und dadurch Menschen, Pflanzen und Tiere schützen!
Energie- und Klimakrise: Künstliches Licht reduzieren und damit Kosten & Energie sparen!