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Stadtgemeinde Gmunden

Gottfried Helnwein

Erläuterungen und Perspektiven auf Gottfried Helnweins Kunst

Helnwein, der 1948 in Wien geborene Künstler, erhebt in jedem seiner Bilder Anklage gegen Grausamkeit und Unbarmherzigkeit sowie den Schrecken des Faschismus. 

Sein Schaffen zeichnet sich durch kompromisslosen Realismus aus, der gesellschaftliche Missstände anprangert und das unschuldige, wehrlose Kind in den Mittelpunkt rückt. Dieses Kind verkörpert psychologische und gesellschaftliche Ängste sowie den Schmerz, der ihm durch Missbrauch, Macht und Gewalt zugefügt wird. 

Helnweins hyperrealistische Bilder, die stets auf fotografischen Vorlagen basieren, sind „bigger than life“ und beeindrucken durch ihre technische Perfektion. Obwohl die Werke als real wahrgenommen werden, entsprechen die überdimensionale Größe der Werke und die Verwendung einer monochromen Farbgebung nicht der Realität; Helnwein entrückt den ursprünglichen Eindruck von Realität, den sie vermitteln sollen, und erschafft eine symbolhafte Darstellung.

Helnwein zwingt uns zur Einsicht in die ursächlichen Abhängigkeiten der Motive und führt uns schonungslos Sachverhalte vor Augen, wie die Misshandlung und Ausbeutung von Kindern, Täter- und Opferschaft, den Zynismus der modernen Kriegsführung sowie die Banalität des Bösen und Niederträchtigen in all ihren Erscheinungsformen.

Helnweins Werke zeigen auch Mädchen in Militäruniformen oder mit Waffen in der Hand auf, teils mit Bandagen oder blutigen Wunden. Diese Szenen erinnern an Kindersoldaten oder jugendliche Amokläufer in den USA oder Kinder in kriegerischen Konflikten. Der Künstler thematisiert damit die Anfälligkeit von Kindern für alle Arten von Manipulation und deren ideologischen Missbrauch.

Vielleicht beeindruckt das Werk Helnweins gerade wegen dieser Spannung zwischen Realismus und Entrückung des künstlerischen Objekts. Die Symbolfiguren und Motive von Gewalt spielen sich in unseren Köpfen ab, denn wir sehen ein blutverschmiertes, aber nicht ein blutendes und schmerzverzerrtes Gesicht.

Hingegen zeigt das Bild Memory (Erinnerung) am Rathaus eine zärtliche Geste im Alltag, es kann als Kontrast zu Gewalt und Konflikt, die den Alltag dominieren, gelesen werden, denn es geht um Freundschaft, um Zugewandtheit und Nähe. Der Kontrast in den Sujets zeigt auf der einen Seite die Härte der negativen Themen, die uns umgeben wie auch das andere, die Zärtlichkeit im Alltag die möglich ist.


Quellen:

Gottfried Helnwein, hg. von Elsy Lahner und Klaus Albrecht Schröder, Hirmer Verlag, 2023, Salzkammergut Festwochen Gmunden